Zur Geschichte des "Verlassenen Dorfes"

Die Herren von Berghofen zwangen Leibeigene Oberried zu besiedeln. Die Menschen mussten ein äußerst karges Leben führen. Zuerst versuchten sie den Flachsanbau, dann die Viehhaltung. Von den sieben primitiven Holzhäusern sind 1768 sechs abgebrannt. Auch die kleine Dreifaltigkeitskapelle fiel den Flammen zum Opfer. Die Ursache des Brandes ist leider nicht geklärt. Man vermutet jedoch, dass der Brand durch Unachtsamkeit entstanden ist. Kleine Funken flogen durch westlichen Wirbelwind auf die Dachschindeln (Landern*,)-, die schnell zu brennen anfingen. Der Brand konnte sich dadurch rasch ausbreiten. Mühevoll wurde das Dorf wieder aufgebaut. Die Oberrieder Kinder wurden nach Berghofen oder Tiefenbach in die Schule geschickt. Auch zu Kriegsdiensten wurden die Oberrieder Männer eingezogen. Im 19. Jahrhundert wollten einige der Oberrieder aufgrund der ärmlichen Verhältnisse ins Tal. Die Dorfbewohner waren sich darüber aber nicht einig. Mit der damaligen Marktgemeinde Sonthofen kam dann aber doch eine Einigung zustande. Für ihre Besitzungen und Waldungen, die sie in Oberried aufgeben mussten, wurden ihnen in den Ortschaften Tiefenbach, Binswangen, Winkel und Rieden alte Bauerngehöfte zugewiesen. 1889 verließen sie dann das "Dorf" in der Hoffnung auf ein etwas besseres Leben. Im Laufe der Zeit zerfielen die Häuser. Einige Grundmauern sind noch erhalten. Die Kapelle wurde öfters renoviert und ist deshalb zu besichtigen. In ihr hängt ein Bild vom letzt geborenen Oberrieder Bruno Speiser ( 1888 ). In unserem Gespräch mit Bertel Neyer ( 86 J. ) haben wir außerdem erfahren, dass er sich 1963 die Mühe gemacht hat, die Grundrisse der Häuser von Oberried freizulegen und zu vermessen. Diesen Plan hat er dem Vermessungsamt Immenstadt vorgelegt. Er stimmte mit dem alten historischen Lageplan überein. Der Bertel, ein altes Sonthofner Original, hat nach diesem Plan ein Ölbild angefertigt. Die Häuser wurden nach einem Modell eines alten gestrickten Bauernhauses gemalt. Dieses Bild ist ab Weihnachten '98 im Heimathaus Sonthofen zu bewundern. Der Bertel hat dieses Bild dankenswerterweise dem Heimathaus geschenkt.

*ca. 1 m lange Dachschindeln, die mit Steinen befestigt worden sind

zurück zur Wanderung